Wiener Walzer


Der Wiener-Walzer geht auf einen uralten, im Alpenraum beheimateten Volkstanz zurück. Er wurde wegen seiner Ungezügeltheit oft bekämpft, manchmal sogar verboten, feierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf dem Wiener-Kongress wahre Triumphe. - Seit 1932 Turniertanz, seit 1963 im Welttanz-Programm.

Der Walzer hat von allen Gesellschaftstänzen die längste Tradition. Sein Name kommt übrigens von dem deutschen Wort "waltzen" und bezieht sich auf die drehenden Bewegungen der Füsse, die über den Boden schleifen (Dreher, Schleifer). Mit seinen Vorläufern lässt sich der Walzer bis ins 12./13. Jahrhundert, der Minnesängerzeit, zurückverfolgen. In dem deutschen "Springtanz", der als ungeradtaktischer Tanzteil dem zweitaktigen, geschrittenen Vortanz folgte, kann man den Anfang des Walzers erkennen.

Die meisten Tanzhistoriker führen den Walzer auf den alten Dreher oder Ländler ab dem 16. Jahrhundert zurück. In Süddeutschland und in Österreich wurde er vom Volk ohne Tanzmeister getanzt. Es war ein Rundtanz im 3/4- oder 3/8-Takt, bei dem sich die Paare umfassten und um sich selbst drehten, wobei sie einen imaginären Mittelpunkt umkreisten. Dieser langsame Tanz wurde bis Anfang dieses Jahrhunderts in Stadt und Land getanzt.

Eine zweite Version sieht die Entstehung des Walzers in dem sogenannten "Langaus", einem Tanz, bei dem die Tänzer einen sehr langen Raum mit den wenigsten Drehungen zu durchtanzen hatten. Die fortwährenden Verbote der Obrigkeit bis ins 18. Jahrhundert waren gegen diesen Tanz gerichtet. Bestraft wurde das Verdrehen, "das Herumschwenken und Wirbeln, das Hochwerfen und Umstossen" der Partnerin.

Um 1750 findet sich das Wort "walzen" als Tanzform in einer Wiener Stegreifkomödie. 1770 berichtete Johann Wolfgang von Goethe über seine Erfahrungen mit dem "deutschen Tanz", und 1782 veröffentlichte Carl von Zwangen das Buch "Etwas über das Walzen". Aufsehen erregten 1787 vier Personen, die in Wien bei der italienischen Oper "Una cosa rara" den ersten Walzer tanzten; allerdings wird bezweifelt, dass dort der Walzer "kreiert" wurde. Am preussischen Hof lernte man 1794 den Walzer, so auch die spätere Königin Luise von Preussen, die allerdings nicht davon entzückt war und ihn verbot (in Berlin galt das Verbot bis 1918). Dagegen wurde er auf Münchner Bällen gespielt und getanzt. Seinen Siegeszug trat der Walzer nach dem Wiener Kongress (1815) an. Nicht wenig daran beteiligt waren die berauschenden Wal-zermelodien von Lanner und der Strauss-Dynastie.

Der Wiener Walzer, bestehend aus sechs Schritten auf zwei 3/4-Takte verteilt und mit einer vollständigen Drehung verbunden, setzte sich durch, allerdings mit der damals noch üblichen Ballettechnik.

Deutschland blieb der Mittelpunkt des Walzergeschehens bis in die zwanziger Jahre, als dann generell für ca. ein Jahrzehnt ein Walzersterben zugunsten moderner, dynamischer Tanzformen einsetzte. In England war der Wiener Walzer nie heimisch geworden. Als Volkstanz wurde der Walzer mit Beginn der dreissiger Jahre vor allem im 3. Reich in Deutschland und Österreich wiederentdeckt. Der österreichische k. u. k.-Offizier und Tanzlehrer Karl von Mirkowitsch machte den Wiener Walzer wieder gesellschafts- und turnierfähig. Dem Nürnberger Tanzlehrer Paul Krebs ist es zu verdanken, dass 1951 die Verbindung von der altösterreichischen Walzer-tradition und dem englischen Stil hergestellt und der Wiener Walzer als gleichberechtigter Standardtanz anerkannt wurde. Die von ihm niedergelegte Technik wurde im Laufe der Jahre vom Fachausschuss Tanz des ADTV mehrmals geringfügig revidiert.