Volkstanz


(engl. Folk Dance, internat. Tanzfolklore, s.a. Alte Tänze)

Bezeichnet die traditionellen Tänze der in der Regel unterdrückten und gering geschätzten ländlichen Unterschicht in vorindustriellen Gesellschaften. Meist ohne Wettbewerbscharakter. Häufig wegen ihrer "Wildheit und Unsittlichkeit" von den Kirchen und der Obrigkeit mit Tanzverboten verfolgt.

H. Günther: "Von einigen Ausnahmen abgesehen, nahm die Oberschicht erst im 18. Jahrhundert wieder Notiz von den Volkstänzen, die seit dem Spätmittelalter von den höfischen Schreittänzen verdrängt worden waren. In der Zeit der französischen Revolution und der frühen Romantik wurde mit der revolutionären Emanzipation des Volkes auch der Volkstanz als Basis sowohl des Gesellschaftstanzes als auch des Balletts entdeckt. Doch starben die Volkstänze in den europäischen Industrieländern im 19. Jahrhundert fast völlig aus. Sie blieben erhalten in den Alpenländern, Spanien, Osteuropa und auf dem Balkan. Als Gegenwehr gegen die nivellierenden Folgen der Industrialisierung kam es seit etwa 1890 vor allem in Skandinavien, England und Deutschland zu einer ersten Volkstanz-Renaissance. In Deutschland wurde die Jugendbewegung zur wichtigsten Trägerin der neuen Volkstanzbewegung. Die zweite Volkstanz-Renaissance ging nach 1945 von den sozialistischen Ländern Ost- und Südosteuropas aus."