Tanzverbote


Tanzverbote sind aufschlussreiche Zeugnisse zur Geschichte des Tanzes. Zu allen Zeiten bis in unsere jüngste Vergangenheit hat es immer wieder Gegner des Tanzes gegeben, die in Reden, Predigten und Schriften den Tanz bekämpften, ihn als unsittlich und sündig bezeichneten.

Im Altertum waren es die römischen Denker, Dichter und Staatsmänner, die den Tanz im Gegensatz zu den Griechen nicht als ästhetisches und ethisches Bildungs- und Erziehungsmittel betrachteten, sondern ihn als schändlich und schädlich verurteilten. So meinte der Staatsmann und Philosoph Cicero (+ 43 v. Chr.): "Niemand tanzt, wenn er nüchtern ist, er müsse denn wahnsinnig sein ...". Horaz mahnte, die gefährlichen Tänze zu meiden. Cato und Kaiser Domitian verurteilten den Tanz und die tanzenden Römer in gleicher Weise. Kaiser Tiberius vertrieb die der Gesellschaft schädlichen Tänzer aus Rom, und der römische Historiker Justinus meinte: "Der Tanz sei nicht anderes als eine Veranlassung und Reizung zur Üppigkeit und Verführung".

Als leidenschaftliche Gegner des Tanzes sind auch die Lehrer und Schriftsteller der alten Kirche, die Kirchenväter, aufgetreten (2. Bis 6. Jh.). Johannes Chrisosthomos nannte den Tanz ein satanisches Teufelswerk, Basilius der Große bezeichnete den Tanz als eine Niederlage der Seelen und eine unverantwortliche Geilheit. Der hervorragendste Kirchenvater des Abendlandes, Augustinus Aurelius (353 - 430), stellte den im Mittelalter oft gebrauchten Satz auf: "Der Tanz ist ein Kreis, dessen Mittelpunkt der Teufel ist." Der heilige Ambrosius und mit ihm einige Kirchenversammlungen verboten schließlich das Tanzen für die Christen gänzlich. So ist es verständlich, dass durch diese Verdammung des Tanzes durch die Kirchenväter und Synoden der Tanz durch das ganze Mittelalter hindurch als ein verabscheuungswürdiges, sündiges Vergnügen galt.

Auch mittelalterliche Sittenprediger, Theologen und Philosophen sind wiederholt in Schrift und Rede gegen den "sündigen, teuflischen Tanz" aufgetreten. In späterer Zeit bezog sich die Tanzgegnerschaft allerdings nur auf bestimmte Tänze, wie die Paartänze mit den engen Umschlingungen (Schrift von Salomo Jakob Wolf aus dem Jahre 1797). Auch das Tanzen zu bestimmten Zeiten und Tagen gab immer wieder den Anlass zu Verboten. Vor allem wurden oftmals Bedenken gegen das Tanzen an Sonntagen geäußert. So wurde noch im Jahre 1888 im Schweizer Kanton Freiburg ein sonntägliches Tanzverbot erlassen.

Verschiedene Missbräuche und Auswüchse bei Tanzveranstaltungen gaben den Anstoß, dass sich auch weltliche Obrigkeiten veranlasst sahen, Verbote zu erlassen. Solche behördlichen Tanzverbote bezogen sich vor allem auf gewisse unschickliche Tänze und sind uns aus zahlreichen Stadt- und Polizeiverordnungen des Mittelalters, aber auch noch vereinzelt aus dem 19. Jh. bekannt.