Swing-Tänze


Gemeint sind heute in der Regel die Standard-Tänze (Schwungtänze), deren Charakter geprägt ist von der Bewegungskette "Step - Swing - Turn", also alle mit Ausnahme des Tango. Durch den Übergebrauch nichtschwingender Bewegungselemente war Quickstep zeitweise in Gefahr, diesen Charakter zu verlieren; der moderne Trend wirkt dem aber wieder entgegen.

HISTORY. Zwischen dem Erlöschen des Charleston- und dem Aufflammen des Boogie-Fiebers gab es keine klar definierten oder allgemein gebräuchlichen Tanzbewegungen zu Swing-Musik. Auf dem Berliner Presseball spielte 1937 das britische Swingorchester Hylton, und Goebbels wie Göring begaben sich zu dieser Musik aufs Parkett. Sie tanzten vermutlich eine Art von Tanzschul-Foxtrott. Es gab aber auch eine wachsende Anzahl Jugendlicher, die durch légere Kleidung, lange Haare und einen lockeren Tanzstil deutlich vom HJ-Stil abwichen und im Volksmund Swing-Heinis genannt wurden. Sie tanzten bald (das zeigen zeitgenössische Fotos) auch mit Bewegungen wie denen des Lindy Hop, in denen sich schwarze mit weissen Elementen, d.h. die Paarhaltung der Weissen mit dem spielerischen Körpereinsatz der Schwarzen mischte. Wer sich gegen "Gleichschaltung" wehrte und sich wenigstens in der Freizeit amüsieren wollte, stiess fast automatisch auf den Swing. Man praktizierte ihn teils versteckt (Swing wurde als schneller Foxtrott verkauft), teils harmlos offen, teils provokant: Die Polizei sammelte Berichte über Münchner "Blasn", Essener "Stenze", Kieler "Plutokraten", Kölner "Navajos", Dresdner "Mobs" und andere Swing-Zirkel, die den Ausgangspunkt einer meist mit Tanz verbundenen Randkultur bildeten. RPG-Veröffentlichung Nr. 8 / 1937: "den einzelnen Clubmitgliedern ist mitzuteilen, dass das Tanzen von Swing unerwünscht ist". Der als Journalist tätige Hitlerjugendführer Leo Häring veröffentlichte unter dem Pseudonym Peter Holm in der Programmzeitschrift der Kölner Blatzheimbetriebe "Der Papagei" in Nr. 88 / 1938 einen damals aufsehenerregenden Artikel über die Modetänze: "Swing bedeutet ein leichtes Heben des Fusses im Gegensatz zum Gleiten ..., ein loses Umfassen, Heben und Schwingen im Rhythmus. Und das kommt der ursprünglichen Form des Tanzes ... wohl näher, als mancher bisher geschobene Tanz. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Feststellung, dass dem Swing in der Tat die dauernd untergeschobenen erotischen Momente fehlen.