Gesellschaftstanz


(engl. Ballroom Dancing, auch Social Dancing)

Bezeichnung für den geselligen, gewöhnlich in Sälen stattfindenden, der Unterhaltung und dem Kennenlernen dienenden Tanz, der 1930 - 1960 allgemein akzeptiert wurde. Die Tanzschulen bezeichnen sich vorwiegend als "Gesellschaftstanzschulen".

HIST. Gesellschaftstänze gab es ursprünglich nur in Europa; die übrigen Länder und Völker blieben entweder beim religiös gebundenen Volkstanz oder gingen über zum Schau-, Berufs- oder Kunsttanz. Der Volkstanz war zu allen Zeiten an religiöse Feste gebunden, der Gesellschaftstanz dagegen nicht, er war oder ist selbst ein (verweltlichtes) Fest. Im Grunde entstand der Gesellschaftstanz im Mittelalter (12. Jahrhundert), als der Adel seine eigene, vom Volk getrennte Tanzkultur entwickelte, die später vom Bürgertum, das bereits im 14. Jahrhundert seine eigenen Tanzhäuser hatte, ging allmählich von den gravitätischen Schreittänzen zu den lebhafteren Kontertänzen (engl. Country-Dance, franz. Contredanse) über, die nach der Jahrhundertwende von den amerikanischen Tänzen ersetzt wurden bzw. allmählich mit diesen verschmolzen.

Helmut Günther: "Gegen Ende des 17. Jahrhunderts tauchte das Wort "Gesellschaftstanz" auf. Es handelte sich um eine wörtliche Übersetzung des französischen Ausdrucks "Danse de Compagnie". Man trennte nun zwischen Ballett- und Gesellschaftstanz. D. h. ab 1681 tanzten nicht mehr die adligen Amateure für das königliche Hofballett, sondern ausschliesslich professionelle Bühnentänzer (zu denen 1691 dann auch weibliche Ballettkünstlerinnen kamen). Die neuen Profi-Bühnentänzer übernahmen nun auch den Gesellschaftstanz. Sie formten die neuen höfischen Gesellschaftstänze (Menuett, Courante, Bourrée) und schufen aus den virtuosen Kunststücken der Jahrmarktstänzer die Anfänge der klassischen Ballett-Technik.

Die Gesellschaftstänze des 19. Jahrhunderts - Mazurka, Polka, Galopp, Schottisch, Rheinländer, Quadrillen, alle wie der Walzer aus Volkstänzen entstanden - waren technisch recht einfach. Die öffentlichen Tanzböden verschwanden, an ihre Stelle trat in Deutschland der Tanzkurs, die Tanzstunde."

Die Explosion des modernen Gesellschaftstanzes begann gegen Ende der 50er Jahre mit der Übernahme der lateinamerikanischen Tänze in das Programm der Tanzschulen. In den vom Beat/Disco-Tanzen geprägten Jahren zwischen 1965 und 1975 war der Gesellschaftstanz vorübergehend in Gefahr, zum "alten Eisen" geworfen zu werden. In den modernen Tanzschulen der 80er Jahre war der lern- und übbare Gesellschaftstanz aber wieder gefragt. Allerdings wird der Ausdruck Gesellschaftstanz immer weniger benützt, weil darunter meist nur die reinen ST-Tänze verstanden werden.