Englischer Stil


Ursprünglich bezeichnete man damit den Kontrast zwischen dem französischen Stil, der auf dem höfischen Schreittanz und dem Ballett beruht, und den englischen, mehr raumgreifenden und volkstümlicheren Tänzen (Country Dance). Seit 1930 bezeichnet man damit nur noch den Unterschied zwischen dem geschmeidigeren englischen und dem mehr harten kontinentalen Turnierstil. Nach der Great Conference in London (April 1929) gelangte 1930 der Englische Stil auch in Deutschland zum Durchbruch; von London aus trat er dann seinen Siegeszug über die ganze Welt an; und die Engländer gewannen, sofern sie am Start waren, alle internationalen Turniere und Meisterschaften. Der Englische Stil wird seitdem in allen tanzsporttreibenden Ländern akzeptiert und heute generell als International Style bezeichnet. In Amerika hat sich daneben ein American Style bis zur Turnierform entwickelt. Musterbeispiel für Englischen Stil (Gentleman Dancing bzw. Tanzen als "Gentleman sport" war und ist der (Slow) Foxtrot.

Alex Moore: "English style is a maximum of movement consistent with ease." Alf Davies, (australischer Tänzer): "Englischer Stil ist ein Maximum an Bewegung mit einem Minimum an Anstrengung."

HIST. H.-J. Schäfer: "Wellesley-Smith und Josephine Bradley, eines der bedeutenden englischen Meisterpaare, kamen am 3.12.1929 anlässlich einer Europameisterschaft der LIG (Liga für internationale Turniere, Zürich) - zwar vom RPG gesperrt - zu einem aufsehenerregenden Besuch nach Berlin, um im Hotel Esplanade der staunenden Fachwelt den englischen Stil vorzuführen. In der bedeutenden Fachzeitschrift "Der Tanz", herausgegeben von Dr. Josef Lewithan, Berlin, begannen 1929/30 Artikelserien über dieses Thema von weltbekannten englischen Experten wie Victor Silvester und Maxwell Stewart, beide Professional-Weltmeister.

Damals galt Albert Peter Hartmann als "Statthalter des englischen Stils" in Deutschland. Von den Professionaltänzern waren es zwischen den Weltkriegen vor allem Reinhold Sommer (Berlin), Albert-Peter Hartmann-Emersen (Bad Nauheim), Fritz Conradi (Dortmund), Bruno von Kayser (Düsseldorf) und Karl Meyer (Köln), die sich für den englischen Stil einsetzten, um nur sie zu nennen."

Helmut Günther: "Erst mit dem Foxtrot, 1914, erhielten die Engländer ihren ureigentlichen Tanz, aus dem sie dann den Englischen Stil entwickelten. Der Foxtrot ist nichts anderes als künstlerisch-tänzerisch geformte Gehbewegung. Diese Natürlichkeit sprach die Engländer an. Wir haben schon gesehen, wie sehr die Briten stets alles übertriebene, Exaltierte und Pathetische ablehnten. Darum entsprach auch der Tango niemals ihrer Mentalität. Der Foxtrot aber und dessen Sprössling, der Quickstep, wurden zu den englischen Tänzen schlechtweg."